5.Tag-Lenk-Lauenen

12. 07. 2020 – 5. Wandertag Lenk – Lauenen

Das Hotel stand zum Verkauf. Die Tenne. Der Inhaber, ein alter Herr, den wir beim Wäscheabnehmen antrafen, als wir nach einem freien Zimmer fragten, bewirtschafte sein Hotel ganz alleine, zumindest sahen wir außer ihm niemanden. Der Bericht war geschrieben und ich schaute am Abend noch einmal nach den Sternen und da schien doch etwas zu gehen. Und es ging noch etwas. Aber man muss eben Geduld haben. Am besten werden die Bilder so gegen Mitternacht. Dann weiß man wo die Milchstraße ist, die dunkelblaue Phase des Himmels ist vorbei und die Augen haben sich daran gewöhnt. Diesmal gab es doch noch einiges an menschlichem Fremdlicht und die Wolken waren auch noch zum Teil am Himmel. Ich schreibe das, mit der Hoffnung, dass es heute Abend besser wird, denn die Bedingungen sind fabelhaft. Die Aufnahmen kann ich direkt von unserem Balkon machen. Er ist nach Süden ausgerichtet, bietet einen phantastischen Panoramablick auf die Berge. Die kleine Sony läuft schon den ganzen Abend und nimmt das Dunkelwerden auf, im Zeitraffer.
Also heute ging es 9.15 Uhr los, noch immer im akademischen Viertel von 9.00 Uhr. Der Himmel war blau und fast wolkenlos. Es würde also ein wärmerer Tag werden. Ich füllte zum ersten Mal meinen Kamelsack mit Wasser. Nach einer halben Stunde Weg durch die Stadt / das Dorf Lenk, betraten wir die herrliche kleine Schlucht, ein Wanderweg für Familien mit Kindern schön hergerichtet. Entlang des die Schlucht durchschneidenden Baches, der des Öfteren als Wasserfall zu Tale stürzte quälte wir uns nach oben. 1000 Höhenmeter waren bis zum Trüblipass zu überwinden. Die Schlucht und der Wald in ihr spendeten ausreichend Schatten, so dass die Sonne uns vorerst nichts anhaben konnte. Kinder hätten ihren Spaß gehabt, denn es gab immer neue Aufgaben und Rätsel zu lösen, wirklich ein sehr kreatives Wandererlebnis. Als es dann aus dem Wald herausging, über die Almwiesen nach oben zum Pass boten sich schöne Blicke zurück, zurück auf den Weg, den wir gekommen waren. Weiter oben war sogar das Schreckhorn und der Eiger zu sehen, übrigens aus einer Perspektive, die zumindest hätte man das Schreckhorn als Matterhorn wahrnehmen können. Wir hatten also Sicht bis nach Grindelwald. Die Almenwiesen waren wieder voller Blumen, viele verschiedene und in großer Anzahl. Kühe kreuzten heute nicht unseren Weg. Aber Schafe sahen wir oben auf der Weide. Die Lämmer waren schon aus dem Gröbsten raus und fraßen schon feste mit. Vom Pass dann noch einmal neue Ausblicke, neue Perspektiven, die sich ja einem immer eröffnen, wenn man eine bestimmte Höhe oder Reife erreicht hat. Wir ließen es heute gemütlich angehen, denn es sollten nur 5, 5 Stunden Gehzeit sein, es wurden 6, 5 Stunden und natürlich wieder 18 km bei 1000 Metern nach oben, aber nur 500 wieder nach unten. Unser Hotel, im Übrigen das letzte, was wir vorgebucht hatten, war sehr schick. Das lassen sich die Schweizer bezahlen. Aber es ermöglichte uns auch die Sachen zu waschen, die schon, zumindest bei mir nach Schweiß rochen. Besonders Angstschweiß riecht unangenehm, aber vielleicht ist das nur Einbildung. Jetzt sind sie schon trocken. Abendbrot war lecker und… na ich will mal nicht jammern.
Das Hotel bot auch den Luxus eines großen TVs, wo wir heute Tatort sahen und natürlich den Sonnenuntergang oder besser das Dunkelwerden des Panoramas, auf welches wir aus unserem Fenster schauten.
Die Wolken sind weg. Die Sonne auch. Es wird immer dunkler. In einer Stunde hoffe ich, die Milchstraße auf den Chip bannen zu können.
Heute trafen wir unterwegs übrigens viele Schweizer. Zum einen war Sonntag, zum anderen scheint Lenk ein sehr beliebter Ort und Wandergebiet zu sein. Oben auf einer Almhütte sahen wir einen Thailänder Holz sägen. Die Schweizer holen sich von überall her billige Arbeitskräfte ins Land. Im Service gibt es kaum Schweizer. Österreicher, Deutsche, Slowaken, …
Also dann bis morgen – gute Nacht.