14.Tag-Chamonix-1

21. 07. 2020 – 14. Urlaubstag - 1. Fahrtag Chamonix

Wecker gestellt. Pünktlich um 8 Uhr beim Frühstück gewesen. Dann ging es zur Seilbahn – Talstation. Wir waren etwas eher als halb Neun da, unserer reservierten Fahrzeit, und es gab weder eine Schlange noch Gedränge, wir konnten mit der nächsten Bahn nach oben fahren. In Masken natürlich. Die Bergstation lag in den Wolken. Eine kleine Hoffnung gab es, da aus Westen eine Blaue Wolke (also wolkenloser Himmel) oder ein Wolkenloch auf das Mt. Blank Massiv zusteuerte. Ob wir dann oben wären, ob es sich noch mit Wolken füllen würde, alles ungewiss.
An der Umsteigestation bestätigte sich dann alles, oben waren Wolken, Suppe. Das hinderte uns nicht in die Bergbahn einzusteigen, die uns bis über 3800 Meter in die Höhe hob, wo der Sauerstoffgehalt in der Luft nur noch 60 % des Seeniveaus hatte. Oben angekommen, mussten wir einen weiteren Fahrstuhl nehmen, um auf die Spitze des Mittelgipfels vom Mt. Blanc zu gelangen. Keine Schlange, wir waren ruck zuck oben. Oben gab es am Geländer wunderschöne Übersichtsgrafiken, was wir denn alles hätten sehen können, wir sahen aber nur Weiß (na zumindest nicht schwarz). Es war kalt und ich zog mir gleich eine Jacke an, Toma war schon eingemummelt. Ein mittelstarker Wind blies auch, was natürlich Hoffnung machte, dass er die Wolken wegpustete. Gebannt auf den Windmesser, drei Schaufeln, die sich drehten, schauend, warteten wir geduldig, ich mit der Zeit frierend, auf das Aufklären. Ich zog die zweite warme Jacke unter meine Wanderjacke, um das Warten erträglicher zu gestalten. Wir stellten uns oben auch in eine Schlange an, um zu irgendeiner Attraktion zu gelangen. Als wir kurz davor waren, war es ein Glaskasten, der über dem Abgrund hing, ein 1*1 Meter Kasten, in dem höchsten 2 Personen Platz hatten, die davor alles ablegen mussten, was nicht ihre Kleidung war, Museumsschuhe-Latschen zum Anziehen bekamen und dann in den Kasten treten durften. Also der Glaskasten hatte 5 Seiten aus Glas und eine aus Luft, wo man eintrat. Ziemlich harmlos, da ja alles volle Suppe war und man sowieso nicht den Boden unter den Füßen sah. Kurz vor uns kippte ein Mädchen um, wahrscheinlich Höhenangst oder Höhenluftprobleme. Wir beide bemerkten nicht, dass die Luft dünner ist als normal, aber wir mussten uns ja auch nicht anstrengen.
Wir verweilen vielleicht 5-10 Sekunden in dem Glaskäfig und gingen wieder an die frische, dünne Luft frieren. Als wir uns schon fast entschlossen hatten, uns hier oben weiter umzusehen, was es noch alles gab, und mit dem Lift herunter zu fahre, rissen die Wolken, Wolke, auf, ein wenig. Oh, Bewegung kam in die Menschen. Ich musste erst meine Fingerwieder geradebiegen und aufwärmen, damit ich den Auslöser drücken konnte. Ich habe viel gefilmt, da die Wolken schnell vorbeizogen. Erst schaut man natürlich in Richtung Hauptberg, doch der versteckte sein Haupt immer noch im Nebel oder bettete es auf Wolkenkissen. Dann schauten wir nach unten und sahen, dass viele Alpinisten sich der Station näherten, über sehr abenteuerliche Wege. Die einen über Felsgrate, die anderen über den Gletscher und Schneegrate. Es sah echt gefährlich aus. Klarere Phasen wechselten sich mit Phasen ab, wo uns die Wolken fast wieder gänzlich einhüllten. Aber wir bekamen einen etwaigen Eindruck von dieser wilden, zerklüfteten, eigentlich menschenfeindlichen Landschaft, die uns hier oben umgab. Wenn wir die Gebäude oder Anlagen sahen, die der Mensch mit der Zeit hier errichtet hatte, erfüllte uns ein Gefühl höchster Ehrfurcht vor diesen Leistungen, der Erbauer.
Irgendwann verließen wir dann doch die obere Plattform und fuhren mit dem Lift nach unten, schauten von dort auf die Berge, Täler, wagemutigen Alpinisten, bis wir auch hier genug gesehen hatte.
Zum Abschluss schauten wir einen kurzen (etwa 7-minütigen Film über das NT. Blanc Massiv, absolut sehenswert. Habe ich alles mitgeschnitten.
Talfahrt, dann zum Zug und wieder nach oben in die Berge zum Gletscher, zum Eismeer. Tolle Zugfahrt mit malerischen Ausblicken ins Rhonetal und auf die gegenüberliegende Seite (wir haben auch jedes Zahnrad auf der Schiene bezahlt). Dann der Gletscher. Stopp, ja den Stopp legte Toma ein, im Schicky Micky Restaurant über dem Abgrund, gleich am Nebentisch saßen die neureichen Russen, die ihren Helicopterflug planten und den Michelin Restaurant Besuch am Abend. Wir aßen Mittag. Das ist ein Satz wert. Seit wann haben wir nicht mehr Mittag gegessen? Und dann so etwas. Nicht mal vegan, nur vegetarisch. Ich entschied, dass Abendbrot fällt heute aus. Und das werden wir sehen. Nach dem Nichtstun, Fahren und Essen ging es jetzt noch bergab zur Sehenswürdigkeit, obwohl der Gletscherblick an sich schon eine Sehenswürdigkeit war. Einer der größten Gletscher Europas. Name wird nachgereicht ->Tacul. Wirklich nachdenklich machten dann die Schilder am Wegesrand nach unten zum Gletscher (Ziel war eine Eishöhle im Gletscher). Schon sehr weit oben, nicht viel weit unter dem Restaurant, sah man das erste Schild mit der Jahreszahl, wo der Gletscher einmal war. Er schmilzt immer schneller und geht immer schneller zurück. Man glaubt es kaum, die Jahreszahlen. Er verliert rasant an Eisfläche. Der Weg nach unten verläuft auf Treppen, die an dem Fels befestigt sind (aus Gitterrost und man kann unter den Füßen, den Abgrund sehen.). Die Eishöhle. ein Gang der in das Gletschereis hineingefräßt worden ist, nehme ich mal an, war für uns auch eine neue Erfahrung. Toll. Kleine Bäche fließen in dem Tunnel von oben nach unten, es ist kalt und das Eis ist blau durch die hohe Verdichtung. Zurück hieß es dann 500 Treppen hinaufsteigen. Danach gingen wir nicht wieder zu Fuß, sondern nahmen die kleine Gondel bis zum Bahnhof. Bevor wir uns in den Zug setzten, schauten wir uns noch die Hütte an, in der wir fast übernachtet hätten, uns aber der Preis für den Schlafsaal (8 Betten) für über 200 Euro, gemeinsame Dusche… dann doch überteuert schien. Denn da hätte man die Zugfahrt von keiner halben Stunde auch noch teuer bezahlen müssen. Da kam dann ein Gefühl auf, als wären wir immer noch in der Schweiz. Aber sie war ja in Sichtweite vom diesem Hotel.
Also mit dem vollen Zug zurück ins Dorf – Chamonix, Hotel, Abendbrot ausfallen lassen. Wir waren tollen, leckeren Kuchen in einem Teerestaurant essen. Abendspaziergang. Ende