Abschied nehmen von der Schweiz
Naja, es waren schon schöne Tage, die sich die Schweizer bezahlen lassen haben. Tolle Berge, gute Infrastruktur, meist gut markiert, und wir werden das „Grüßt Euch alle Miteinander“ nicht mehr hören, wenngleich es auch in der letzten Zeit durch Bonjour ersetzt wurde.
Wir verließen das Hotel de Swiss gegen 9.30 Uhr wissend, dass wir zum Col de Cou oder Coux gehen würden. Die Karte oder das Stück Kopie hatte nur den Schweizer Teil drauf und was genau in Frankreich auf uns zu kommt, blieb eine Überraschung. Bis zum Col de Cou waren es 3 Stunden den einen Weg und 3 Stunden 20 den anderen, wahrscheinlich der zum Col de Coux, ist ja etwas länger. Wir wählten den längeren, denn der kürzere begann schon im Ort mit einem Steilen Aufstieg, nicht der beste Start. Vor dem Start kauften wir noch leichten Marschproviant in der Bäckerei gleich nebenan und waren somit gerüstet für den Tag. Oben hingen die Wolken, die Gipfel und Pässe waren nicht zu sehen. Wir gingen also den Wolken entgegen. Diese schoben sich aber immer mehr nach oben, sodass es den Eindruck erweckte, dass sie sich nicht anfassen lassen wollten. Der Weg war relativ einfach, die überwiegende Strecke ein Fahrweg, den und das ziemlich weit oben auch die Mountain-Biker nutzten und uns fast über den Haufen fuhren. Wenn es da eine Karambolage gibt bleibt kein Auge trocken bei der Geschwindigkeit, mit der die Biker herunterpasten. Sei es drum. Es waren fast 1000 Höhenmeter zu überwinden, doch wir liefen mit gutem Tempo, für uns gesprochen, denn im Vergleich zu anderen Wanderern liefen wir fast immer langsamer. Wir blieben in der vorgeschriebenen Zeit und vielleicht nur 100 Höhenmeter unter dem Pass bekamen wir auch die Wolken zum Greifen. Das hatte fototechnisch den Vorteil, dass überall auf der Wiese Regentropfen an den Blumen und am Gras waren. Also bei den vielen Blumen, die dort standen, wo die Kühe noch nicht waren, immer eine Einladung auf den Auslöser zu drücken. Ich sehe zwar die schönen scharfen Tropfen, wenn ich die Displayansicht vergrößerte, aber der Gesamteindruck der Bilder kommt auf der kleinen Fläche nicht rüber. Wir werden es am PC sehen. Die letzten Meter durch den Nebel gestapft, ein ganz klein wenig Nieselregen war auch dabei und schon waren wir auf dem Pass. Er war um die 2000 Meter hoch aber vielleicht noch mit einem Quad befahrbar. Auf der Passhöhe stand noch ein ehemaliges Grenzhäuschen, ob nun vom Zoll oder zur Passkontrolle, wer weiß? Es war geschlossen. Aber, man staune, eine Ladestation für e-bikes befand sich auf dem Pass!!! Das erachte ich als einen Schildbürgerstreich, denn wer braucht bergab Akku-Unterstützung? Da wollten entweder die Schweizer den Franzosen zeigen wer der Größe ist oder vielleicht auch umgekehrt. Wir betraten also hier zum ersten Mal auf unserer Wanderung auf der Via-Alpina französisches Territorium. Der Wind blies kalt von französischer Seite über den Pass, sodass wir uns etwas anziehen mussten, durchgeschwitzt vom 1 km-Aufstieg wie wir waren. Wir nahmen die Orientierung auf und der Abstieg begann. Schon kurz nach dem Pass wurde das Wetter besser und man konnte sogar ab und zu die Sonne sehen. Leider hatten wir aber keine Sicht vom Pass, die wohl sehr schön sein muss, da man von hier die 3-Tausender der Gegend direkt vor sich hat. Tja man kann nicht alles haben, wir hatten den schweißtreibenden Aufstieg in den Wolken.
Man hörte im Tal die Murmeltiere pfeifen, der Weg war recht gemütlich, also wieder fast ein Fahrweg. In einer Kurve, als wir uns schon Gedanken über den Weg machten, kam uns ein Franzose entgegen, klar wir waren in Frankreich, der auf unsere Frage in Englisch in Englisch antwortete, wow. Wir waren verblüfft. Also ergab es sich, dass wir ihn fragten, wohin des Weges. Er wollte nach Slovenien und hatte 115 Etappen noch vor sich, 115 Etappen auf der Via-Alpina. Der erste Wanderer, den wir trafen, der auf der Via-Alpina unterwegs war. Foto, Video, dokumentiert. Er empfahl uns, nicht den Fahrweg, und dann die Straße zu wählen, sondern den GR 96 zu laufen. Wir hörten auf ihn, wobei das nicht so einfach war, da der GR Grand Randone 96, öfter mal in verschiedene Richtungen ging. Da fragten wir halt wieder und die Franzosen, die mit einem Zelt unterwegs waren, also viel mehr zu tragen hatten als wir und unter freien Himmel übernachteten, zeigten uns den Weg, den ihr Reiseführer nach Samoens vorsah. Hmmm aber der ging noch über einen Pass. Also noch einmal Höhe machen, wozu ich natürlich gar keine Lust hatte. Wir waren ja auch schon 5 Stunden unterwegs und unsere Kräfte nicht unerschöpflich. Naja, so entschieden, mussten wir durch. Toma hatte entschieden, als ich kurz eine Ziege fotografieren war. Das Kriterium für die Wegwahl war, da gibt es weniger Asphalstraße. Egal ob der Weg länger war, anstrengender, überhaupt zum Ziel führte…
Die Strafe folgte auf dem Fuße. Kühe, die Toma nicht zur Hütte, die auf dem Pass war, durchließen. Von dieser Passhöhe ging es aber nun nur noch bergab. Insgesamt stiegen wir 1400? Höhenmeter ab, 1000 auf und liefen über 22 km. Die Sicht in die Ferne war leider begrenzt durch die über den Gipfel hängenden Wolken. Mit der Zeit wurde dies aber nebensächlich, denn wir mussten absteigen und noch einige Kilometer bis nach Samoen gehen. Heute war unser härtester Tag. Auf dem Flachland wären dies mindestens 35 km Strecke gewesen. Gut 1,5 Stunden vor dem Ziel machten wir die erste richtige Pause, aßen die Marschverpflegung, um die Reserven zumindest ein wenig wieder aufzufüllen.
Die letzten 5 Kilometer liefen wir im strammen Tempo von 5km/h. Als wir Samoen erreichten, schauten wir, ob Deborah ihre Adresse per Mail geschickt hatte. Sie hatte. Wir gaben die Adresse in Googlemaps ein und siehe da, die Wohnung war gleich um die Ecke. Wir riefen vor dem Haus Deborah und schon stürmte Tim auf den Balkon. Großes Hallo, Wiedersehen, gemeinsames Abendbrot, wozu ich einlud, da wir ja eine Übernachtung for free hatten. Ein nettes Örtchen Samoen. Auch die Wohnung war sehr schön. Wir schliefen oben auf der Tenne, also auf einer Zwischendecke, die mit einer Steilen Leiter begehbar war.