4.Tag-Engstligenalp-Lenk

11. Juli 2020 - 4. Wandertag Engstligenalp – Lenk

Wieder übernachteten wir auf etwa 2000 Meter Höhe. Davor unternahmen wir noch einen gemütlichen Abendspaziergang, um uns den oberen Teil der Engstlinger Wasserfälle anzuschauen. Der Spaziergang wurde nur eingetrübt von den Begegnungen mit den (blöden) Kühen. An Sterne war nicht zu denken. Die Wolken wurden immer dichter und sanken in den Talkessel, wo wir uns im Hotel befanden. Der darauffolgende Regen störte unseren Schlaf nicht, Sterne gab es nur im Traum zu sehen. Obwohl wir schon 7.30 Uhr im Restaurant am nächsten Morgen erschienen, Frühstück gab es erst ab 8.00 Uhr. Man konnte sich sogar etwas mitnehmen. Wir machten ganz bescheiden Gebrauch davon. 9. 00 Uhr, wie nun schon gute Tradition, waren wir abmarschbereit, wären da nicht Tomas Stöcke noch im Zimmer gewesen. Vor uns liefen die zwei Schweizer, die auch gestern schon denselben Weg gemacht hatten. Es ging die ersten Kilometer flach im Talkessel entlang eines mit Milchkannen markierten Weges, ein sehr origineller Einfall. Dann aber 550 Meter unerbittlich bergauf. Bereits beim Losgehen mussten wir die Regenbekleidung anziehen, da noch etwas Restregen aus den Wolken tröpfelte. Genug, um gut nass zu werden. Bergauf störte die Pelle dann aber, denn wir kamen dadurch ins Schwitzen und die Wärme konnte nicht so einfach abgeführt werden. Also Schwitzen im kühlen Regen. Toma wollte unbedingt den Schweizern auf den Fersen bleiben, damit sie sich bei einer Begegnung von Kühen, die hier auf der Hochebene zu Hauf rumliefen, hinter drei Männer verstecken könnte. Doch die Schweizer hielten den Abstand zu uns, den sie vor uns losgegangen waren. Da sie aber nicht einholbar waren, blieb nur ich. Und hinter mir kann man sich nicht richtig gut verstecken. Durch Tomas hohes Tempo kamen wir gut voran. Ab und zu musste ich ein paar Fotos machen, was uns so unter den Füßen herumkrauchte. Alpensalamander, kleine schwarze Tierchen, krabbelten unentwegt auf unserem Weg herum. Ich habe 16 Exemplare während des Aufstiegs gezählt. Wir rannten also den Berg ohne Pause hoch und unterboten die angegebene Zeit mit 10 Minuten. Wow. Oben auf dem Grat bot sich uns ein phantastischer Blick zurück in den Kessel der Engstligenalp, nach vorn auf die schneebedeckten 3000ender mit ihren Gletschern und ins Ammertental. Wir standen auf dem Ammertenpass nicht lange, da es noch nieselte, aber auch die Sonne schaute ab und zu durch einige Wolkenlücken. Der Abstieg war als ein Bergwanderweg ausgezeichnet. Der Prospekt heute im Hotel schreibt dazu: „Alpine Route für geübte, trittsichere und schwindelfreie Berggänger. Abstieg durchs wildromatische Ammertental. Hundeverbot“. Gut das der Weg nicht wusste, dass ich nicht schwindelfrei bin. Merkt man doch an meinen Berichten. Die Schweizer hatten gesagt, dass wir den Weg gehen könnten, da wir ja gestern die schmale Stelle auf der abschüssigen Schutthalde gemeistert hätten. Ja, es waren einige Stellen, wo wir den Popo zu Hilfe nahmen, zusätzlich zu den Stöcken, die an manchen Stellen auch störten, wenn man sich besser abstützen oder klettern wollte. Aber Stöcke in den Rucksack, Stöcke aus dem Rucksack ist auch zeitraubend. Wir schlichen uns also über die schwierigen Stellen hinweg, die für den Aufsteigenden bestimmt kaum schwierig gewesen wären, aber der Abstieg hat eben immer wieder seine Tücken. Nach drei Stunden machen wir die erste kleine Pause im Ammertental. Ein wirklich schönes Tal, mit Wasserfällen und tosenden Gebirgsbächen, die aufgrund des nächtlichen Regens ordentlich Wasser führten und tosend, lärmend sich ins Tal stürzten. Heute hatte ich das Mikro eh nicht drauf, da es regnete und ich das Mikro nicht dem Regen aussetzen wollte. Aber es war ja laut genug, bzw. leise Geräusche hätte das rauschende Wasser sowieso geschluckt. Kühe gab es beim Abstieg nicht, aber ein paar eingezäunte Schafe gab es dann doch. Und vor denen hatte Toma keine Angst. Obwohl wir an vielen Murmeltierehöhlen vorbeikamen, blieben doch die Pfiffe aus und wir sahen auch keine. Aber Blumen säumen wieder unseren Weg, viele schöne Blumen.
Es ging bergab, bergab, und bergab.
Da es sehr viel zu Fotografieren gab, es aber auch ab und zu tröpfelte, verschlossen ich das Objektiv immer mit dem Deckel, bis er mir aus der Hand glitt und den Hang hinter rollte, rollte, rollte bis ich ihn nicht mehr sah. Weg. Mich würde schon interessieren, wie lange ein Deckel unter Versuchs-bedingungen im Gras oder über kleine Steine rollt und nicht umkippt. Wahrscheinlich wurden seine Rolleigenschaften optimiert und so ein kleines Plastikpressding ist deshalb so teuer. Es ging also bergab, leider für uns zu Fuß, nicht rollend. Als wir schon in ein Gebiet vorgestoßen waren, wo es sogar schon Häuser gab, Berghütte, zeigte der Wegweiser immer noch über 2 Stunden bis nach Lenk und wir hatten schon 1000 Meter, tausend Höhenmeter seit dem Pass hinter uns. Glücklicherweise beschwerte sich keiner, dass die Knie wehtaten. Aber die Muskeln hatten heute einiges zu leisten. Ich tippe, dass wir morgen Muskelkater haben werden. Unser Weg führte uns wieder an Wasserfällen vorbei, mal abgesehen von denen die das Ammenertal schmücken und die wir beim Abstieg an den Bergen hinuterrauschen sahen. Den Simmefällen. Eine Schweizer Attraktion. Ähnlich der des Lichtenhainer Wasserfalls in der Sächsischen Schweiz (bitte googlen, falls nicht bekannt !).
Wir bestaunen mit vielen Schweizern also, wie das Wasser fiel und hatten dann noch eine stramme Stunde zu laufen, bis wir in Lenk waren. Immer an der Simme entlang. In Booking.com hatte ich mir die Tenne als Hotel für diese Nacht herausgesucht. Wir fanden es einfach ein wenig oberhalb des Bahnhofs. Ein sehr alter Herr, der gerade die gewaschene Bettwäsche von der Leine nahm, der Besitzer des Hotels, das zum Verkauf steht, gab uns ein Zimmer und wir genossen eine heiße Dusche wie eine teure Spa-Anwendung. Leider gab es, wahrscheinlich dem Alter des Besitzers geschuldet, kein WLAN, überhaupt kein Internet.
Leistungen des Tags: 18 km gelaufen, 565 Höhenmeter, 1400 Meter im Abstieg.
Vor dem Hotel Krone, auf dem Kronenplatz, aßen wir Abendbrot, zwei vegane Vorspeisen Toma und ich ne Pizza Hawaii.
Jetzt schau ich noch mal wie die Sonne unter geht, hinter dem Berg ist sie ja schon lange verschwunden. Sterne heute Fehlanzeige.