3.Tag-Schwarenbach-Engstligenalp

10. 9. 2020 - 3. Wandertag Schwarenbach – Engstligenalp

Wir hatten viel Zeit im Hotel Schwarenbach. (gestern)
Vom Fenster aus sahen wir eine Hubschrauberrettung. Kein Schwerverletzter, aber der Hubschrauber musste in der Nähe einen Landeplatz finden, was gar nicht so einfach war. Irgendwie haben die beiden Rettungsassistenten den Verletzten dann in den Hubschrauber bekommen und sind davon geflogen. Ich glaube, der Patient war nicht mehr gehfähig.
Wir sind also in der Engstligen Alp angekommen, als letzte Übernachtungsgäste und das 14. 30 Uhr, also so früh, wie noch nie. Obwohl es heute nur 4,5 Stunden waren, gab es doch so einige Highlights. Aber davor noch der Bericht von der vergangenen Nacht. Viel besserer Abend, denn diesmal habe ich gewartet bis es ganz dunkel war, so eine Stunde nach Sonnenuntergang, besser 1,5h und dann die Milchstraße fotografiert. Die Möglichkeit bot sich direkt vor der Hütte, obwohl das Hüttenlicht etwas störte. Der Mond ging gestern erst kurz vor Mitternacht auf, sodass ein kleines Zeitfenster von völliger Dunkelheit bis zum Mondaufgang verblieb. Bis dahin übte ich schon mal, damit die Schärfe stimmte. Es war gar nicht so einfach, die Milchstraße am Himmel zu entdecken. Der Himmel war voller Sterne und ich erwartete sie direkt im Süden. Das war aber nicht der Fall. Erst als es richtig dunkel wurde schält sie sich heraus und ganz sicher war ich dann, als ein Foto die Umrisse so ziemlich deutlich zeigte. Na dann gab es aber kein Halten mehr. Fotos, Fotos, Fotos…
Und das wirklich Verwunderliche, man könnte sie ohne Bearbeitung schon auf dem Display sehen. Ein paar kleine Wolken am südlichen Himmel vervollkommnen das Bild noch, da sie von Licht der unter ihnen liegenden Stadt Leukerbad beleuchtet wurden. Ich hoffe mal, dass der erste Eindruck am kleinen Fotodisplay nicht täuscht. Oft sind dann die Aufnahmen am PC weniger gut rüber gekommen.
Vorab werde ich versuchen eine Aufnahme von der Kamera auf das Handy zu beamen. Ich war also der Letzte, der gestern im Hotel zu Bett ging. Doch gegen 23. 30 Uhr erschien Toma in der Eingangstür und suchte mich. Ich war begeistert, endlich hatten auch sie die Sterne in ihren Bann gezogen. Denkste. Sie war aufgewacht und das Bett neben ihr war leer. Also Mann suchen, den Verrückten, der die Sterne fotografiert. Doch als sich ihre Augen an die Dunkelheit gewöhnt hatten, schien auch ihr der Himmel zu gefallen. Er war wirklich sternenübersät. Und es war auf über 2000 Meter nicht kalt. Die Sonne hatte tagsüber das Tal aufgeheizt. Man könnte noch viel über die Sterne schreiben, wie die Satelliten über den Himmel ziehen oder die Sternbilder sich bewegen, was in den Bergen schön zu sehen ist, da man horizontal und vertikal Bezugspunkte hat…
Das Frühstück war dazu gedacht, die gestrigen Kaloriendefizite aufzufüllen. War gut. 9. 00 Uhr, Punkt 9. 00 Uhr, gingen wir los. Der Anstieg begann gleich neben dem Hotel über einen blumenreichen Hang bei herrlichem Sonnenschein, der aber noch nicht so stark war, dass die Hitze uns zu schaffen machte. Heute gab es noch steilere Passagen beim Aufstieg als gestern. Nach 2 Stunden stetigem Anstieg machten wir eine kleine Pause. Kurz danach kam der erste Pass, der erste Pass im Urlaub. Es sollte aber nur ein ganz kleiner Grat werden, den wir sofort wieder verließen und uns an einer Steilwand, an deren Ende, wo die Wand, der Fels in einen steilen Abhang überging, entlanghangelten, an Stahlseilen festhaltend, da der Pfad sehr schmal war, der Abgrund dafür umso tiefer, in den man gestürzt wäre, hätte man den Fuß zu weit nach rechts gesetzt. Nach diesem Nervenkitzel quetschen wir uns zwischen Schneefeld und Wand durch. Das Schneefeld bedeckte den Abhang, der steil zu unserer Rechten ins Tal abfiel. Als ich die Seilsicherungen sah, wollte ich verbal schon umkehren, doch es war halbwegs ertragbar. Als wir von der Steilwand etwas weggekommen waren, begannen die Schneefelder unseren Weg zu versperren. Umgehungen oder Überquerung waren angesagt. Es ging immer noch bergauf. Im Tal, übrigens ein sehr schönes menschenleeres Tal, pfiffen die Murmeltiere ohne dass wir sie sahen.
An uns vorbei, besser über uns hinweg, huschten die Alpendohlen, perfekt die Thermik nutzen. Es war ein riesiger Schwarm. Na und dann unter den Füßen krabbelten die Käfer und Bienen auf den Alpenblumen. Wir wanderten in einem von drei Seiten geschlossener Talkessel auch einen kleinen See gab es. Doch wir mussten an einer der Seiten hoch, aus dem Kessel heraus über eine der begrenzenden Wände. Am Wegweiser stand dann 45 Minuten zum Engstligrat. Wir quälten uns etwa eine Stunde nach oben, machten kurz vor dem Grat eine Pause und erreichten dann überglücklich die Kante, den Grat, von wo wir auch unser Tagesziel sehen konnten. Es war ein sehr breiter, sehr bequemer Grat der auf eine Felsformation zulief, die die nähere Umgebung dominierte und die wir von unserem ersten kleinen Pass bereits in der Ferne gesehen hatten.
Eigentlich alles perfekt. Doch in der Ferne und zwar in welche Richtung wir auch schauten, brüten sich Wolken zusammen. Mir fiel der Wetterbericht ein, der für 13. 00 Uhr ein Blitz angezeigt hatte, also Gewitter. Das ist im Gebirge und speziell auf dem Grad nicht so angenehm. Eine der nicht zu unterschätzende Gefahren. Aber wir hatten es ja noch nicht um 13. 00 Uhr. Wir erreichten den Fels, gingen links an ihm vorbei zu Beginn einen Schutthang entlang, der steil war und kaum einen Fuß breit. Jeder falsch gesetzte Schritt konnte eine sehr unangenehme Rutschpartie einleiten, mit ungewissen Ausgang, wenn man zum Stehen kam. Gut das wir zwei Stöcke hatten, die sehr hilfreich waren auf diesem kaum befestigten Weg. Auch das schafften wir. Die Gefahr war überstanden, als es schon zu grommeln begann. Das Gewitter war auf dem Weg zu uns. Den Regen konnten wir schon in der Ferne sehen. Wir machten kurz Halt, um die Regenjacke anzuziehen, den Fotoapparat im Rucksack zu verstauen. Punkt 13. 00 Uhr, wie der Schweizer Wetterbericht es angekündigt hatte, fielen die ersten Tropfen. Man hätte die Uhr danach stellen können. Es war kein starker Regen, aber besser vorsorgen als nass ankommen. Wir liefen immer noch auf dem Grat, zwar schon weiter unten, aber für den Blitz wären wir noch immer der höchste Punkt. Also hieß es ganz schnell weiter absteigen und weg vom Grat. Da tauchten sie auf. Die größte Gefahren in den Alpen. Jedes Jahr gibt es mehrere tödliche Unfälle beim Aufeinandertreffen der Wanderer mit ihnen. Und sie tauchten auf, und versperren uns den Weg. Auf dem Grat. Also wo es nicht viel links noch rechts Platz gab, um vorbei zu gehen. (Was ja so einen Grat auszeichnet.)
Oben der liebe Gott, vor uns die Hörner, viele Hörner, die uns alle entgegen gerichtet waren. Doch wir mussten vorbei, einen anderen Weg gab es nicht. Links am Zaun lagen die Kälber, auf dem Weg die Hörner und rechts der Abgrund. Ich entschloss mich rechts vorbeizuschleichen und vertraute auf die Intelligenz der Kühe, da sie sich ja selbst nicht in den Abgrund stürzen würden, und wenn, würden wir beide draufgehen. Toma hatte Panik und ich könnte sie nicht überreden, die Umgehung mit mir zu wagen. Wahrscheinlich schauten die Kühe mich zu furchterregend an. Geschafft. Es war gezeigt, wie es geht. Doch Toma war es immer noch ungeheuerlich. Es galt sich also zu entscheiden, welchen Tod man sterben wollte. Den Gewittertod oder vom Tritt der Kuh oder dem Sturz in die Tiefe. Wie Frauen so sind, sie können sich nicht entscheiden. Letztendlich ging sie an der rechten Seite vorbei und war völlig aufgelöst, als sie die Kühe passiert hatte. Immer noch donnerte der Zeus über uns und Toma sah sogar Blitze. Ich hätte was gegeben dafür, sie zu sehen. Nach einem kurzen Endspurt hatten wir auch den Grat passiert und liefen am Hang zur Hütte runter.
Eine kurze intensive Wanderung. Wunderschön ist es in den Bergen. Jetzt ziehen die Wolken an meinen Augen vorbei, über den Grat, den wir überschritten hatten und hüllen ihn ab und zu in feuchten Nebel.
Wir übernachten heute an den zweitmächtigsten Wasserfällen der Schweiz. Nach dem Abendbrot müssen wir sie uns anschauen!