Doldendornhütte – Schwarenbach Hotel – kurz vor dem Gemmipass
Heute haben wir ein eigenes Zimmer, schlafen abgetrennt von allen anderen Menschen dieser Welt. Welch ein Privileg. Auch eine warme Dusche, noch ein Kriterium um sich zu den reichen, wohlhabenden Menschen dieser Welt zu zählen. Und wir sind mehr als 17 km gewandert, haben fast einen Kilometer Höhe überwunden, bei schönem Wetter, was uns zu den Privilegierten gehören lässt, die das noch in unserem Alter vermögen. Schaut man sich um in der Schweiz, sieht, wen man auf der Wanderung begegnet, so sind es jedoch vor allem Menschen in unserem Alter oder älter. Aber eben nur Schweizer. Als Ausländer sind wir eher eine Ausnahme. Auf der Hütte haben außer uns nur Schweizer übernachtet. Heute sieht es schon etwas gemischter aus.
Beginnen wir mit der vergangenen Nacht. In unserem Zimmer schliefen zwei Mädchen aus Luzern, die für eine Nacht sich aufgemacht hatten, in der Hütte zu übernachten. Sehr ruhige Zeitgenossen. Ich hatte mir den Wecker für 2 Uhr gestellt und wollte die Milchstraße fotografieren. Die Voraussetzungen waren so schlecht nicht. Klarer Himmel, fast keine Wolken, keine Lichtverschmutzung (menschlich gemachte), die Temperaturen in der Höhe nicht all zu kalt. Toma weckte mich, da ich den Uhrwecker nicht gehört hatte. Ich quälte mich aus unserer Familienkuhle (unser Nachtlager) heraus, zog mich an und verließ die Hütte, machte das Licht aus und ließ die Augen sich an die Dunkelheit gewöhnen. Perfekt. Als einzigen Luxus, den ich mir erlaubt hatte, was das Gewicht des Rucksacks betraf, war das Sony 20mm 1. 8 Objektiv. Es kam zu seinem ersten Einsatz.
Die ersten Bilder gingen daneben, da ich zwar händisch unendlich eingestellt hatte, das Objektiv aber schon davor auf Unendlich fixierte.
Ein Umstand machte mir aber einen Strich durch meine Rechnung. Der Mond. Obwohl nicht zu sehen, war er doch hinter den Bergen (im Wallis) am Himmel und die absolute Dunkelheit war dahin. Die Milchstraße wird wohl nicht geworden sein, zumal sie ja im Süden zu sehen sein soll. Viele Sterne waren zu sehen. Auch das Tal, Kandersteg unter uns war ein paar Bilder wert. Ich denke, die Stunde in der Nacht hat sich gelohnt. Später zogen dann recht schnell Wolken auf und verdeckten die Sterne, zumindest teilweise.
Da es recht warm war und ich nicht müde, war es wunderschön, allein auf fast 2000 Meter allein vor der Hütte zu sitzen und die Sterne zu bewundern.
7. 10 Uhr wachte ich auf. Es gab ein recht spärliche Frühstück, eher für Diät geeignet. Was wir aber erst später bemerkten, man konnte alles nachordern.
Also diätmäßig gesättigt, brachen wir wieder 9. 00 Uhr auf und stiegen durch herrlichen Wald, Blumen, über Blumen, die hier oben keine Kühe oder Schafe abfraßen, begleitet vom Gesang der Vögel, die so eine Umgebung natürlich zu schätzen wussten. Bergauf kamen uns schon viele Schweizer entgegen, die einfach mal so auf die Hütte wollten, denn übernachten auf der Hütte tun nur die Wenigsten.
Ach so zu den Bequemlichkeiten der Hütte: Es gab ein Lager, dass durch mehrere Türen geteilt war. Toilette, sehr sauber, außer Haus, ebenso die Waschgelegenheiten. Tee für unterwegs gab es umsonst. Das Abendbrot war nicht schlecht, auch hier gab es genug Nachschlag, falls die Diät es nicht verbot. Sogar ein vegetarisches Essen für Toma!
In zwei Stunden waren wir wieder in Kandersteg und machten eine kurze Schlemmerpause im Café. 12. 00 Uhr begann der Anstieg. Etwa 4- 4, 5 Stunden waren angegeben. Wir hielten uns daran. Zu Fuß zur Seilbahn, diese wörtlich links liegen lassen, und schon ging es sehr steil rauf. Letztes Mal im Oktober haben wir diese Erfindung genutzt. Heute hatten wir Zeit und wollten das Bergaufgehen bei Hitze voll auskosten (klingt wie auskotzen). Es lief besser als gestern. Zumindest bei mir.
Mich störte es nicht einmal, als uns die Seilbahn über unseren Köpfen schwebend, überholte. Ein wenig enttäuscht war ich dann trotz aller mentalen Vorbereitung von dem Plateau, das nach der Bergstation, begann. Im Oktober tauchten wir damals in den Winter ein, in einen sonnigen Wintertag mit Neuschnee, der die Landschaft verzaubert hatte. Der Zauber war jetzt weg. So what. Es gab als Ersatz viele schöne Blumen.
Jetzt geht es zum 4 Gänge-Menü! Ende mit Labern.