Goderli war ein wirklich einfaches Häuschen, mit keiner Steckdose im Zimmer, ohne elektrisches Licht im großen Speisesaal, aber einer gar nicht so schlechten Küche. Die Brotsuppe war lecker und der Salat hat uns umgehauen.
Nachdem Toma das Abendbrot aufgegessen hatte, tat alles ihr weh. Tabletten und Cremes sind jetzt alle aufgebraucht. Die Nacht war windig, die Hütte ächzte. Zeit zum Schlafen war wie immer genug. Und die Zeit heilt Wunden. So entstieg Toma am Morgen geheilt dem Bett. Ich machte mich mit Schlappen auf, den Sonnenaufgang in Bildern einzufangen.
Eine wunderschöne Wolke hing über dem Berg hinter dem Hotel. Das Morgen-Rot der Wolke harmonierte mit den gelben Blättern der Laubbäume, die den Bach/Flusslauf säumten.
Da alles um mich herum so harmonisch, traumhaft romantisch war, brauchte ich nur noch mit dem Zeigefinger abzudrücken. Frühstück und auf zum Postbus, der wenige Minuten entfernt im Hotelzentrum der Griesalm schon auf uns wartete. Der Post Bus legt auf der Strecke von der Griesalm nach Kiental die steilste Strecke zurück, die ein Bus in Europa bergauf oder bergab überwinden kann. 28 % Steigung sind zu meistern und kurz danach geht es durch die engere Stelle herausgearbeitet aus dem Felsen, die ein Bus in Europa durchfahren kann. Weiter vorbei am Wasserfall, am Hexenkessel mit Posthorn-Getöse, das uns wieder mit unserer vorjährigen Tour im Geiste verband. Eine wunderschöne Fahrt gespickt mit Highlights. In Kien gingen wir wenige Schritte bergab zu Seilbahn, die mit und für uns die heutigen Höhenmeter absolvieren sollte. Oben angekommen hatten wir schon mal wieder 56 SF für Transportleistungen ausgegeben. Von der Bergstation bis Kantersteg, unserem heutigen Etappenziel waren es 5 Stunden und 35 Minuten zu gehen. Eine machbare Aufgabe. Wir liefen auf dem Lötscher Panoramaweg (Nr. 56) und nicht, wie es die Via-Alpina vorschrieb, über de Blümlialp. Denn es sollte nach Auskunft des Seilbahnbetreibers in der Talstation etwa gegen 12.00 Uhr regnen. Windig und wolkig war es schon und die ersten Tropfen bekamen wir schon bei der Bergfahrt im Sessellift ab. Auf der Blümlialp würde es wegen der Höhe schneien, die Wolken die Sicht eintrüben und das Risiko wollten wir nicht eingehen. Außerdem viele Höhenmeter, vor allem viele bergab. Die Alternative über den Panoramaweg begann auch mit einem Aufstieg. Vielleicht eine ¼-Stnde, dann ging es im Travers weiter. Toma musste sich bald umziehen, damit sie gegen Mittag fertig war, wenn der Regen kommen würde. Das dauerte eine Weile. Es tropfte aber jetzt schon mal weniger mal mehr. Es war jedoch zum Aushalten. Wir kamen zügig voran, wobei sich aber das Panorama in Grenzen hielt, da die aufkommenden Wolken keine besonders gute Fernsicht erlaubten. Aber der Thunsee war zu erkennen und wenn der Blick ins Tal sich öffnete und dann noch Laubbäume im Vordergrund das Bild verzierten, hüpfte das Herz des Fotografen vor Freude. Ab und zu verlief der Weg mal auf Wirtschaftswegen, kurze Stücke Asphalt waren auch dabei, aber im Wesentlichen war es ein schöner Weg. Zumindest bis zu der Raststelle, die wir für unser Mittag nutzten. Ein überdachter Unterstand, Sicht, sogar eine Toilette. Während des Rast zog es sich endgültig zu und als wir weitergingen, hieß es volle Regenausrüstung anlegen. Wir waren noch nicht allzu weit gegangen, als auf dem weiteren Weg Absperrbänder waren, und wir entschieden, dieser indirekten Aufforderung Folge zu leisten und den Weg nicht weiter zu gehen. Das bedeutete wir mussten vom Panoramaweg absteigen. An Panorama war eh nicht mehr zu denken und den Weg hatte man uns ja auch vermasselt. Wir stiegen ab und das bis ins Tal, da kein Weg in Richtung Kantersteg führte. Am Bahnhof dann nach links und bald danach ging es auch wieder hinauf. Steil, anstrengend im Regen. Die Stöcke halfen. Warm geworden, zumindest von innen, trafen wir oben, ziemlich weit oben, wie es uns vorkam, wieder auf den Panoramaweg. Das ging dann eine Weile gut, bis wieder der Weg sehr deutlich versperrt war. Wieder mussten wir absteigen. Als wir aus dem Wald herauskamen, stand da ein Schild mit Halt, nicht weitergehen, Gefahr von Sprengungen. Na prima. Der Asphaltweg führte uns zum Ausgang eines Autotunnels und wenige hundert Meter weiter war auch eine Bushaltestelle. Als ich auf den Fahrplan und dann auf die Uhr schaute, waren die Zeiten deckungsgleich, wenn der nächste Bus fahren sollte. Obwohl neben dem Bushalteschild wieder ein Schild war, das nach Kantersteg zeigte (und 50 Minuten angab), war es Toma doch zu ungewiss, wo wohl dieser Weg wieder enden würde, in welchem Sperrgebiet. Also warteten wir auf den Bus. Nur ein paar Minuten und waren auch sehr schnell in Kantersteg. In der Information buchten wir ein Zimmer im Hotel zur Post, im Coop kauften wir Weintrauben und Proviant für den morgigen Tag und nun bliebe nur noch über das Abendbrot zu berichten. Doch so spannend war es nicht.