Tag 9

Tag 9

Die Nacht ging vorbei, der letzte Tag brach an. Und er nahm sich Zeit, genau wie wir. Die Sonne hielt sich hinter dem Berg und im Schatten war es richtig kühl. Das Aufstehen aus dem warmen Schlafsack war also ein Muss. Ich würgte mir meine letzte Portion Müsli rein, mit warmen Wasser, da ich die Trockenmilch in der letzten Hütte zurückgelassen hatte. Gegen 8.30 Uhr verließen wir den Zeltplatz auf dem jetzt ein Pferd zwischen den Zelten graste. Los ging es im Schatten, aber keine 30 Höhenmeter gegangen, liebkoste uns die Sonne und es wurde warm. Jacke aus, da wir schon ins Schwitzen geraten waren. 700 Höhenmeter lagen vor uns. 700 Meter bergauf ohne geradeaus oder bergab. Die ersten 500 schaffen wir bis zur heutigen 85 Minutenpause, die aber extrem kurz ausfiel. Nach einiger Kraxelei und den restlichen 200 Metern zum Pass, die für uns die letzten waren, hatten wir das Ziel unserer Wanderung vor Augen, zumindest derjenige, der gute Augen hatte, denn es lag tief unten und 1200 Meter nach unten waren noch zu bewältigen. Aber erst einmal Pause, abschließende Mittagspause mit herrlicher Aussicht vom Pass, einigen schönen Wolken am Horizont und einigen wenigen, die das Tal herauf zogen, dem Monte Oro entgegen.
Der Abstieg war wieder eine Zusammenfassung aller früherer Abstiege, Platten, kleine Klettereien, Steine, Steine, immer noch Steine, wenn man auch dachte, Steine sind aus und ein ganz klein wenig normaler Waldweg. Es ging vorbei an schönen Bäumen, Badegumpen, also kleinen Vertiefungen im Flusslauf, ausgewaschenen Stellen, die so eine Art Badetümpel oder kleine Seen bildeten, die manche, uns nicht, zum Baden einluden. Toma und ich nahmen uns dann viel Zeit, um die Landschaft noch einmal ausgiebig zu inhalieren, ich wohl mehr zu digitalisieren, auf Film zu bannen. Ein Rettungseinsatz mit Helikopter konnten wir auch beobachten, zwar aus der Ferne, aber in unserem Tal etwa 100 Höhenmeter über uns. Als wir dann high waren vom Inhalieren, quälten wir uns den Weg hinab bis zum Schluss nach Col de Vizzavona, dem Ortsteil, der oberhalb des Ortes liegt.
Hier hielten wir nach Thorsten, Ramona und Claudia Ausschau, die schon etwas schneller gegangen waren und die Hütte bezogen hatten. An einer kleinen Gaststätte bestellten wir zwei heiße Schokoladen und riefen Thorsten an, der uns den Weg genau beschrieb. Wir wollten gerade aufbrechen, als Ramona um die Ecke kam, und zwar um die Ecke der Gaststätte, wo gerade aufbrachen und sagte, dass wir es ja wohl schnell gefunden hätten.
So ging die Wanderung zu Ende.
Wir aßen in der besagten Gaststätte zu Abend - Menü. Drei Gänge. Wer wollte sogar vegetarisch. 3 Personen wollten.
Die Hütte hatten wir heute ganz für uns alleine. Selbst die Wanzen übernachteten nicht mit uns. Und es gab in der Hütte eine Dusche, mit warmen Wasser, zumindest für die meisten.
Also Ende gut, alles gut.