Wir gehen den GR20.
Die Sonne brennt noch, wenn ich diese Zeilen vor dem Zelt schreibe. Ja, vor unserem Zelt, in dem wir heute die Nacht verbringen werden.
Das Zelt steht direkt vor der Hütte, die zur Zeit wegen Wanzen alle Matratzen in die Zelte verfrachtet hat und den gebuchten Gästen als Alternative eine Zeltübernachtung spendiert.
Vom Zelt aus können wir hinab in die Schlucht schauen, aber auch über die Bergrücken bis hinaus auf das Meer, denn wir sind ja auf einer Insel. 6 schöne Stunden sind wir heute den Berg hinauf gekrachselt, überwiegend im Schatten des nach Zedern-Harz duftenden Waldes.
Wenn wir aber den Schutz des Waldes verließen, dann brannte er auf uns hernieder, unser Fixstern. Der Anstieg, 1100 Höhenmeter oder so ähnlich, war nicht sehr steil. Der Weg recht bequem, also ein Auftakt nach Maß. In der Hütte kann man Essen kaufen – 20 € ein Essen (französisches Drei-Gänge-Menü) Wir werden aber auf Gasflamme uns ernähren. Toma kocht, nur für mich (und natürlich für sich): Die Landschaft ist sehr schön, schroffe Berge, lichtdurchfluteter Wald, bunter Farn auf dem Waldboden, ab und zu fotogene Bäume, die den Blick ins Tal aufpeppen.
Als Gruppe gehen wir recht homogen. Der Rucksack flitz vorneweg, ich meinte der Rucksack mit Ramona, dahinter Claudia, gefolgt von Toma und Torsten und meist war ich am Ende, da ich ja noch filmen und fotografieren musste, also langsamer war, und immer wieder mich sputen musste, damit ich den Anschluss nicht verliere. Es gab viel schöne Motive.
Um uns herum flitzen die Eidechsen, ein Kolkrabe fliegt gerade vorbei. Greifvögel haben wir noch nicht gesehen. Die Etappe war ungewöhnlich kurz, verglichen mit den Etappen bei der Alpenüberquerung, wo wir nie vor 16.00 Uhr an der Hütte waren. Es heißt also warten auf das Abendbrot, den Sonnenuntergang und die Zeit nutzen.
Toma wäscht sich, was aber auch nicht stundenlang dauert.
Ich habe wieder mein Büro mit, die Blue tooth Tastatur und das Windows-Handy. Empfang haben wir keinen und Wifi auch nicht. Urlaub eben. Ein bequemer Sitz wäre noch gut, aber man kann ja nicht alles haben.
Es ist am Vormittag des 4. Tages. Wir sitzen im Hotel!, und pflegen unsere Wunden. Eigentlich nur Toma, ich pflege meine Sachen und habe einen ganzen Tag Zeit, die Geschehnisse der letzten zwei dramatischen Tage niederzuschreiben.
Aber der Reihe nach, nur zur Beruhigung, es ist alles gut und nur ein bleibender Schaden.