Anreise

Von_Wuerzburg_nach_Garmisch_Partenkirchen_13_07_2017

Von Garmisch Partenkirchen bis nach Venedig

Anreise - 13. Juli 2017

Wir gleiten im Intercity der Deutschen Bahn durch das größte Flächenland unserer Republik dem Ausgangspunkt unserer Reise entgegen. Es ist mal abgesehen von den modernen Wagen, die sogar in der zweiten Klasse einen angenehmen Reisekomfort bieten, eher eine Reise wie sie schon unsere Vorfahren unternahmen, als sie die deutschen Lande besiedelten, eine Reise mit den Füßen. Zu Fuß über den Gebirgszug, der die Zivilisation im Römischen Reich von den Wilden trennte, ein Gebirgszug der nicht so leicht zu überwinden war, obwohl es Hannibal sogar mit einem oder mehreren Elefanten geschafft haben soll. Auch dieses Reisemittel haben wir ab Garmisch Partenkirchen nicht mehr zur Verfügung, keine Pferde, Esel, Kutschen, wie sie noch die Edelleute im Mittelalter benutzten, werden wir besteigen, wir wollen es im Lutherjahr, genauso tun wie er, zu Fuß das Gebirge überqueren, was die Italiener von den Deutschen trennt. Unser Ziel ist aber nicht Rom, da ich ziemlich sicher bin, dass Papst Franziskus uns nicht empfangen wird und Sünden haben wir auch keine so gewaltigen auf uns geladen, dass diese uns nicht in einer Dorfkirche im Münsterland vom dortigen Popen erlassen werden können. Im Zeitalter des momentanen Geldtransfers, kann der Pfarrer ja dann die Buße an den Heiligen Stuhl per Internetbanking überweisen.
Am Ende stellt sich immer die Frage des ?Warums?. Ich bemühe mich mal bevor wir am Ziel sind, darauf zu antworten. Die ganz pragmatische Antwort könnte lauten: Weil wir nicht nach Kanada gefahren sind. Also brauchten wir ein alternatives Urlaubsziel. Und im Scherz sagte ich dann zu Toma, ich würde ja eigentlich viel lieber die Alpen überqueren, und sie sagte zu meiner völligen Überraschung, das würde mir auch viel mehr gefallen. Da gab es schon kein Zurück mehr. Diese Chance musste genutzt werden. Oft sind die Zeitfenster für solch eine Möglichkeit ganz schnell wieder zu. Da braucht nur ein Wanderer in den Alpen abstürzen, dann ist das Ganze zu gefährlich und wir gehen nicht.
Jetzt kann uns nur noch die Deutsche Bahn aufhalten.
Wer jetzt etwas Tiefgründigeres auf das Warum erwartet hätte, den muss ich enttäuschen. Sicherlich ist es eine tolle Herausforderung, zweifelsohne werden wir unvergessliche Erlebnisse haben, es wird uns entschleunigen, zumindest ein wenig. Denn Tagebuch schreiben, fotografieren und filmen, werden zumindest mich auf Trab halten. Zum Entschleunigen hätte ich die Kamera zu Hause lassen müssen, denn mit ihr im Rucksack hört die Jagd nach dem perfekten Bild nicht auf.
Die Vorbereitungen: Die Vorbereitungen begannen noch an dem Tag, als wir im Auto das verblüffende Gespräch hatten. Es gibt ja viele Routen über die Alpen. Kurze, lange, schwere leichte, geführte, alleine. Fest stand: Zu zweit, keine großen Gletschertouren, keine Verkehrsmittel (na eine Seilbahn könnte es schon mal werden), im Sommer, von Hütte zu Hütte ? nicht mit dem Zelt, etwa 3-4 Wochen.
Im Internet gibt es dazu eine hervorragende Seite Alpenquerung.info, wo es für uns auch fast, fast, die passende Route gab. Der E5 schied aus, München ? Venedig kam in die nähere Auswahl, doch die flachen Etappen wollte ich nicht gehen und in der Stadt anfangen auch nicht. Man hätte nun in Bad Tölz einsteigen können, gefiel mir aber auch nicht und so fand ich den Seiteneinstieg in Garmisch Partenkirchen.
Jetzt hieß es die Strecke planen, die Etappen festlegen, die Hütten buchen. Die Wahl der Etappen ist auf der oben genannten Internetseite wie für uns gemacht worden, wir brauchten nur noch den Seiteneinstieg von Garmisch bis zum Standardweg zu recherchieren. Bei 21 Übernachtungen ist dies nicht in 5 Minuten getan. Wir wollten so viel wie möglich in Zweibettzimmern schlafen, aber deswegen nicht ins Tal absteigen. Also, wo es nur eine Hütte gab, da Hütte, sonst Pension oder Hotel. Das Internet erleichtert die Arbeit ein wenig, aber die Anzahlungen von sehr geringen Beträgen für die Bestellung / Buchung der Hütten mit Überweisungen sind schon lästig. Heutzutage geht das schon problemloser, da wir den Euro haben und die einheitlichen IBAN ? Überweisungen.
Der nächste Schritt: Was nehmen wir mit? Wir überprüften unsere Packliste und ersetzten noch einige vorhandene Ausrüstungen durch leichtere, da wir ja selbst etwas an Gewicht zugenommen hatten, im Vergleich zu Wanderungen in der Jugend und das musste jetzt mit Hightech reduziert werden.
Die Entscheidung Wanderstöcke mitzunehmen oder nicht, fiel an dem Wochenende bevor es losging. Wir waren mit dem Alpenverein in der Eifel und Thorsten gab eine Einweisung in das richtige Benutzen von Wanderstöcken. Da waren die Würfel schnell gefallen. Stöcke nehmen 25-30% des Gewichtes von den Gelenken (Beinen). Der Rucksack erhöht das Gewicht um etwa 20-25%. Wir laufen also 5% leichter als ohne Rucksack, aber eben mit Stöcken. Mal sehen, wie es in der Praxis aussieht. Obwohl ich hatte schon nach der Eifelwanderung mächtigen Muskelkater. Ob ich auf meinen Körper hätte hören sollen?
Am Dienstag hörte ich mir im Kolpinghaus in Recklinghausen noch einen Vortrag über eine Alpenüberquerung von Salzburg nach Triest an, bevor es am Mittwoch los ging. Beide Wanderer waren mit Stöcken unterwegs. Doch was die beiden auch hatten, war Schnee und dies bei jeder ihrer Alpenüberquerung. Also packten wir noch warme Handschuhe in den Rucksack, wir hatten ja noch 5% bis zum Normalgewicht.
Wir erreichen in wenigen Minuten München, eigentlichen Startpunkt, steigen aber dort um in den Zug nach Garmisch.

GPK wie Toma es so schön abgekürzt hat, ist ein nicht unbekanntes Städtchen, direkt unterhalb der Zugspitze. Wir sahen sie aber noch nicht. Entweder war sie in den Wolken oder sie ist gar nicht zu sehen aus dem Ort.
Wir kamen pünktlich an, nordeten das Handy ein und verglichen die Route mit der Karte direkt vor dem Bahnhof und los ging es. Sich zu orientieren war nicht schwer, da unser Hotel, das Olympiahaus, direkt an der großen Schanze liegt, an der Schanze, auf der die Vierschanzentournee zu Silvester halt-macht. Nach einer halben Stunden Fußmarsch platzten wir in einen Leichenschmaus, den die Bayern hier in aller Würde und trächtig gekleidet abhielten. Wir bezogen unser Zimmer, nicht schlecht, aßen im hoteleigenen Restaurant zu Mittag und begaben uns auf einen Rundgang durch die Stadt. Eigentlich sollte es nur zum Geldautomaten gehen, doch auf dem Rathausplatz gab es einen Wegweiser, der zur Ludwigstraße zeigte. Dem König mussten wir natürlich unsere Aufwartung machten und siehe da, GPK entpuppte sich als ein wirklich hübsches Städtlein.
Zum Abendbrot, gab es kein Brot, sondern Torte. Die reinen Kalorienbomben. Ich entschärfte zwei.
Ein Fotospaziergang mit Erkundung des Weges für morgen früh beendete den Tag. Morgen werden wir durch die Partnachschlucht gehen. Eine Schlucht die bis zu 80 Meter tief ist, und erst im vergangenen Jahrhundert für den Tourismus zugänglich gemacht wurde. Es soll eine der schönsten und geologisch interessantesten Schluchten sein.
Im Übrigen schreibe ich auf einer kleinen Blue Tooth Tastatur, die mit meinem Windows Handy gekoppelt ist. Beides in Summe hat etwa das Gewicht eines Notizbuches mit einem Stift. Also gewichtsmäßig habe ich da nichts gespart. Ich muss nur den Text nicht nach der Rückkehr mühsam abtippen. Jetzt aber gute Nacht Toma schläft schon.
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