Wir schliefen in der Biwakschachtel ? ein Wunder der Ingenieurskunst.
Es war so ruhig, dass man sogar die Fliegen husten hörte, die es hier oben nur in wenigen Exemplaren gab. Keiner der drei Männer schnarchte. Das Dach bestand aus durchsichtiger Plastik und man konnte ein manchmal den Mond sehen. Der Himmel war bedeckt, sodass die Sterne leider nicht zu sehen waren. Aber man konnte in das Inntal hinunterblicken und da machte ich noch ein paar Nachtaufnahmen, auch von unserer Biwakschachtel. Es war eine erholsame Nacht. Leider etwas kurz, da die drei Herren sehr zeitig aufstanden. Aber es gab ja eh bereits 6.30 Uhr Frühstück. Als wir in den Frühstücksraum traten, dachten wir, wir wären in Nepal. Nepalesische Musik und der Geruch von Räucherkerzen, die die Nepali ja ihren Göttern zu Ehren jeden Morgen anzünden. Der nepalesische Koch muss sich wohl gefühlt haben. Wir hatten ja bereits gestern Abend entschieden, dass wir heute den unteren Weg gehen. Toma hatte ja im Wetterbericht Gewitter am Nachmittag angekündigt, da wollten wir nicht hineingeraten. Heute ging es besonders zeitig los, der Hüttenwirt war darauf bedacht, dass alle rechtzeitig aufbrachen. Für uns ging es also zurück bis zur Seilbahnhütte und dort hieß es den Weg finden. Der Weg wird nur selten begangen und war wie der Gipfelsteig auch schwarz ausgezeichnet. An einigen Stellen war er auch ausgesetzt und es ging richtig steil hinunter. Ein Höhepunkt war die Hütte unter dem Wasserfall. Von dort ging es über die Alm hinauf zum Joch. Ein super Ausblick auf den Alpenhauptkamm. Hier trafen wir wie zufällig oder verabredet auf Katherina und Daniel, die den Weg über die Gipfel gegangen waren. Das Schwierigste war geschafft. Die Strecke führte jetzt zwar noch mehrmals bergauf, doch die Spannung war raus. Es regnete dann mal eine halbe Stunde, aber so richtig nass wurden wir nicht. Zum Ende der Tour, als wir ins Tal zur Lizumer Hütte abstiegen, hörten wir Maschinengewehrfeuer. Die Nato übte. Oder die österreichische Armee schossen in der Gegend rum. Was für Feinde sie wohl haben. Wenn wir in den anderen Tälern Murmeltiere hörten, so dröhnten hier die Gewehrsalven durch das Tal und die Wände reflektierten den Schall. Ein wenig Afghanistanfeeling gratis dazu. Die Hütte kann man schon 45 Minuten sehen, bevor man dann schließlich da ist. Das ist ziemlich demoralisierend, da man sie sieht, wenn man schon völlig kaputt ist. Auf dem letzten Stück donnerte und blitzte es schon und es begann erneut zu regnen. Wir erreichten das Ziel noch ziemlich trocken.
Die Hütte liegt im Truppenübungsplatz ? und sie ist modernisiert, hatte aber nur eine Dusche. Ich gab meine Duschmünze zurück, die ich beim Einchecken erstanden hatte, da ständig eine Menge duschhungrige Wanderer vor mir warteten, sich den Dreck vom Leibe zu spülen. Wir hatten ein Mehrbettzimmer, 4 Personen, und es war ein Waschbecken im Zimmer. Was für ein Luxus!
Zum Abendbrot wählte ich vegan und das war ziemlich scharf.