Cape-Cross-Robbenkolonie

Das Robbenreservat Kreuzkap

(englisch Cape Cross Seal Reserve) ist ein vom namibischen Ministerium für Umwelt und Tourismus ausgewiesenes Naturreservat. Es schließt das Gebiet Kreuzkap ein und ist für Besucher zugänglich.

Im Reservat befindet sich die weltweit größte Kolonie Südafrikanischer Seebären, die während der Paarungszeit im November und Dezember aus mehr als 200.000 Tieren besteht. Um eine Überpopulation zu verhindern, wird jährlich eine festgelegte Quote an Robben erlegt. Eine Gefahr für die Tiere stellt Plastikmüll dar, insbesondere Geisternetze und Angelschnüre, die sich um die Tiere herumwickeln und schwerste Verletzungen verursachen können.

Südafrikanischer Seebär

Der Südafrikanische Seebär (Arctocephalus pusillus) ist eine Art der Südlichen Seebären. Die Tiere kommen an der Küste des südlichen Afrika vom Süden Angolas über Namibia bis nach Südafrika sowie – trotz des irreführenden Trivialnamens – in den Küstenregionen des südöstlichen Australiens und den vorgelagerten Inseln um Tasmanien vor. Es handelt sich um die größte Art der Gattung und wie andere Seebären bilden sie zur Fortpflanzungszeit große Kolonien. Die Männchen sind deutlich größer als die Weibchen und sie sind polygyn, wobei die dominanten Männchen jeweils mehrere Weibchen begatten und gegenüber Konkurrenten verteidigen.

Die Tiere ernähren sich von Fischen, Kopffüßern und Krebstieren, zudem attackieren und erbeuten sie auch vereinzelt Pinguine und andere Meeresvögel. Zu ihren Fressfeinden gehören vor allem der Weiße Hai und der Schwertwal, Jungtiere an Land werden zudem von Schakalen und Hyänen erbeutet.
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Mit einer Länge von 200 bis 250 Zentimeter bei den Männchen und 120 bis 160 Zentimetern bei den Weibchen ist der Südafrikanische Seebär die größte Art der Gattung; der lateinische Artname pusillus bedeutet allerdings „winzig“, so dass sich auch der angesichts der Größe widersinnige Name „Zwergseebär“ für diese Art eingebürgert hat. Es gibt einen ausgeprägten Sexualdimorphismus und die Männchen werden deutlich größer und schwerer als die Weibchen mit dem 3,5 bis 4,5-fachen Gewicht, sie können durchschnittlich 275 Kilogramm mit einem Maximum von 360 Kilogramm erreichen. Die Weibchen wiegen durchschnittlich etwa 60 Kilogramm und erzielen ein Maximalgewicht von 110 Kilogramm. Die beiden Unterarten entsprechen sich weitgehend in ihrem Körperbau, die Tiere der australischen Unterart sind im Schnitt etwas schwerer.
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Im Wasser schwimmen die Tiere in der Regel allein oder in kleinen Gemeinschaften, während sie sich nur im Bereich der Kolonien zu größeren Gruppen zusammenfinden. Sie sind in der Lage, sehr schnell zu schwimmen und ähnlich wie Delfine in flachen Bögen aus dem Wasser zu springen. Die maximalen Tauchtiefen der australischen Tiere liegen bei etwa 165 Metern, die Tauchgänge können acht bis neun Minuten dauern, milchgebende (laktierenden) Weibchen tauchen bei der Nahrungssuche in der Regel in Tiefen von 65 bis 85 Metern und bleiben zwei bis vier Minuten unter Wasser, bevor zu zum Luftholen an die Oberfläche kommen. In Südafrika tauchen die laktierenden Weibchen meist in Tiefen von 40 bis 50 Metern, maximale Tauchtiefen liegen bei bis zu 200 Metern.
Die Tiere ernähren sich wie alle Seebären omnivor von Fischen, Kopffüßern und Krebstieren, die sie im Meereswasser jagen und erbeuten. Die an der südafrikanischen Küste lebenden Tiere jagen vor allem nach Beutetieren im Freiwasser, darunter unter anderem Kap-Seehechte (Merluccius capensis), Makrelen, Snoek (Thyrsites atun), Sufflogobius bibarbatus, Sardinen und andere Schwarmfische, Kalmare und Krebse.[Zudem bejagen sie Brillenpinguine (Spheniscus demersus) und andere Meeresvögel und es gibt mindestens einen dokumentierten Fall, in dem auch Blauhaie (Prionace glauca) von Seebären vor Südafrika erbeutet wurden.
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Das Fortpflanzungsverhalten der Südafrikanischen Seebären entspricht dem anderer Seebären. Dabei erreichen die Männchen die Kolonien vor den Weibchen und bilden Territorien, einzelne dominante Männchen verpaaren sich später mit mehreren Weibchen (Polygynie) und überwachen und verteidigen diese gegen andere Männchen an den Fortpflanzungsstränden. Die Territorien an der Küste sind durchschnittlich etwa 62 Quadratmetern groß mit durchschnittlich neun Weibchen. Die Paarungszeit reicht von Oktober bis Januar, in der Zeit werden die Jungtiere geboren und es kommt zu neuen Verpaarungen der Tiere. Die Tragzeit beträgt etwa 51 Wochen, sodass die im Vorjahr gezeugten Tiere nach etwa einem Jahr geboren werden. Dabei kommt es zu einer verzögerten Nidation der befruchteten Eizelle in die Gebärmutterschleimhaut von etwa drei Monaten, um die Tragzeit zu verlängern. Etwa 70 % der geschlechtsreifen Weibchen ist pro Jahr nach der Paarungszeit trächtig. Die Tiere werden etwa 1,5 bis zwei Tage nach der Ankunft auf den Paarungsstränden geboren, wobei die meisten Geburten Anfang Dezember stattfinden. Bereits etwa neun Tage nach der Geburt sind die Weibchen wieder im Östrus und paarungsbereit.
Die Weibchen müssen nach der Geburt und während der Jungenaufzucht regelmäßig Nahrung aufnehmen und verlassen die Brutstrände entsprechend für Jagdzüge, die in der Regel 3,5 bis 7 Tage dauern. Danach bleiben sie einen bis sieben Tagen bei den Jungtieren und säugen diese. Die Jungtiere sind bei der Geburt 60 bis 80 Zentimeter lang bei einem Gewicht von fünf bis maximal zwölf Kilogramm. Sie werden meistens etwa ein Jahr gesäugt, in Ausnahmefällen jedoch auch bis sie zwei bis drei Jahre alt sind.[1] Die Jungtiere sind nach der Geburt schwarz mit einem helleren Bauch. Sie verlieren ihr Geburtsfell nach einigen Monaten und werden grau-braun; nach etwa einem Jahr haben sie ihr normales Fell, dass sich nur bei den Männchen weiter verändert. Die Weibchen erreichen ihre Geschlechtsreife nach etwa drei bis sechs Jahren, die Männchen nach sechs bis zwölf Jahren. Die Lebensdauer der Tiere wird auf maximal etwa 25 Jahre geschätzt, ein in Gefangenschaft gehaltenes Weibchen wurde 19 Jahre alt.
Zu den Fressfeinden der Seebären gehören vor allem große Haie wie der Weiße Hai (Carcharodon carcharias) sowie Schwertwale (Orcinus orca).[Angriffe von Weißen Haien auf die Seebären erfolgen nach Analysen von mehr als 2500 dokumentierten Fällen nahe Seal Island, Südafrika, hauptsächlich in den Wintermonaten von Juni bis August. Die Häufigkeit der Angriffe nahm bei Nordwinden, bei Flut und in einem Umkreis von 400 Meter um die Insel deutlich zu, doch nahm die Erfolgsrate der Angriffe mit zunehmender Nähe zur Insel ab. Die Angriffe erfolgten in einem Tiefenbereich von fünf bis etwa 30 Metern, vor allem zwischen 25 und 30 Meter. Die Angriffshäufigkeit und die Erfolgsrate nahmen zudem bei geringer Beleuchtung signifikant zu.[8] Um Abgriffen durch Weiße Haie zu entgehen, vermeiden die Robben Aktivitäten zu Zeiten, in denen sie besonders leicht von den Haien entdeckt werden können. So fanden nach Untersuchungen in der Mossel Bay Schwimmaktivitäten im Winter vor allem nachts statt, wenn die Robben weniger gut gesichtet werden können. In Mondnächten schließen sie sich zudem zu größeren Gruppen zusammen, da die Haie dann wahrscheinlich besser sehen können und die Tiere durch die Gruppe besser geschützt sind.